Bildertanz

Wenn Bilder ­tanzen lernen

Im neuen Erlebnisbereich Bildertanz werden Bilder lebendig. Von der Trickfilmstation bis zu beeindruckenden Kunstwerken wie dem Secret Life-Karussell oder String Theory entdecken Besucher:innen, wie aus einzelnen Bildern Bewegung, Geschichten und ganze Filme entstehen – analog, experimentell und voller Staunen.

Bewegung entsteht im Kopf.

Wie wird aus vielen Einzelbildern ein fließender Film? Der neue Ausstellungsbereich  BILDERTANZ macht genau dieses faszinierende Zusammenspiel aus Wahrnehmung, Zeit und Bewegung erfahrbar. Was heute selbstverständlich wirkt – Kino, Serien, Animationen – basiert auf einer einfachen, aber wirkungsvollen Illusion: Bilder folgen so schnell aufeinander, dass unser Auge sie nicht mehr einzeln wahrnimmt. Bewegung entsteht.

Im BILDERTANZ erleben Besucher:innen diese Grundlagen des bewegten Bildes mit dem eigenen Körper, den eigenen Augen und der eigenen Neugier. Kunst, Wissenschaft und Experiment greifen dabei nahtlos ineinander.

Ein zentrales Thema sind sogenannte Nachbilder – Eindrücke, die kurz auf der Netzhaut bestehen bleiben. Sie sind entscheidend dafür, dass wir Einzelbilder zu einer Bewegung verschmelzen. Das Kunstwerk String Theory macht dieses Phänomen eindrucksvoll sichtbar.

String Theory.

Durch einen sich schnell drehenden Nylon-Streifen entstehen faszinierende, dreidimensionale Formen. Die Bewegungen wirken mal harmonisch wie eine schwingende Violinsaite, mal unruhig und chaotisch.

Da der Streifen schneller rotiert, als unser Auge einzelne Bilder wahrnehmen kann, bleiben die Eindrücke kurz auf der Netzhaut erhalten und verschmelzen zu einem räumlichen Volumen.

Ähnliche Bewegungsmuster untersuchen Physiker in der sogenannten Stringtheorie: Sie vermuten, dass Materie und Energie aus winzigen schwingenden „Strings“ bestehen. Diese sind jedoch so klein, dass sie – anders als in dieser Lichtinstallation – bislang nicht direkt beobachtet werden können.

 

Mitmachen, ausprobieren, verstehen.

Der Bereich ist bewusst nur wenig digital gestaltet. Statt Bildschirmen stehen mechanische Apparaturen, Licht, Bewegung und eigene Aktivität im Mittelpunkt. So entsteht ein unmittelbares Verständnis dafür, wie bewegte Bilder funktionieren.

An der Trickfilmstation gestalten Kinder, Jugendliche und Erwachsene eigene kurze Animationssequenzen. Bild für Bild verändern sie Motive und setzen sie anschließend in Bewegung. Der Lerneffekt ist unmittelbar: Schon kleinste Veränderungen reichen aus, um Leben in Bilder zu bringen – eine zentrale Erkenntnis der Filmgeschichte.

Eine Mutter steht mit ihrer Tochter an dem Exponat Trickfilmstation, sie schauen sich den Bildschirm auf dem Exponatetisch an.

Karussell mit fliegenden Vögeln.

In einer rotierenden Trommel befinden sich zehn Modelle eines Vogels, die jeweils eine Momentaufnahme eines Flügelschlags zeigen. Betrachtet man die Trommel von oben, sind alle Figuren gleichzeitig sichtbar. Blickt man jedoch durch die seitlichen Schlitze, wird immer nur ein Vogel für einen kurzen Augenblick freigegeben.

Durch die gleichmäßige Drehung der Trommel folgen die einzelnen Flugphasen so schnell aufeinander, dass unser Auge sie nicht mehr getrennt wahrnimmt. Statt einzelner Standbilder entsteht der Eindruck einer fließenden Bewegung: Der Vogel scheint zu fliegen. 

Damit unser Gehirn aus Einzelbildern eine Bewegung zusammensetzt, sind mindestens 10 bis 14 Bilder pro Sekunde erforderlich. Für ein ruckelfreies Filmerlebnis – wie im Kino – werden heute sogar mindestens 24 Bilder pro Sekunde gezeigt.

Das Karussell ist ein direkter Verwandter der Wundertrommel, auch Zoetrop genannt – einem der wichtigsten Vorläufer der Kinomaschine. Was heute wie ein spielerisches Experiment wirkt, war im 19. Jahrhundert eine technische Sensation. Solche Geräte machten erstmals sichtbar, dass Bewegung keine Eigenschaft der Bilder selbst ist, sondern im Zusammenspiel von Auge, Zeit und Abfolge entsteht.

Secret Life – von Gregory Barsamian.

Ein absolutes Highlight ist das Kunstwerk Secret Life von Gregory Barsamian. Das nicht-digitale Zoetrop-Karussell besteht aus 16 rotierenden Stangen mit handgefertigten Skulpturen. Ein Stroboskoplicht blitzt bei jeder Umdrehung auf und beleuchtet die Objekte für Sekundenbruchteile.

Das Ergebnis: Ein surrealer, etwa zehn Sekunden langer 3D-Film, der vollständig im Kopf der Betrachtenden entsteht. Aus einer formbaren Masse entwickeln sich Bilder – vom Gehirn bis zur Rose, die zerfällt und neu entsteht. Die Szenerie wirkt traumartig und lädt zur Interpretation zwischen Fantasie und Unterbewusstsein ein.

Besonders faszinierend ist Barsamians Entdeckung der vertikalen Erzählweise: Die Figuren sind helixartig angeordnet, sodass die Geschichte nicht nur im Kreis, sondern auch in der Höhe erzählt wird – eine einzigartige Erweiterung des klassischen Zoetrop-Prinzips.

GREGORY BARSAMIAN. Der Künstler hat Philosophie studiert. Ihn interessiert die Traumanalyse Karl Jungs ebenso wie Nietzsches Glaube, dass in einer Welt ohne absolute Wahrheit Künstler diejenigen seien, die ihre eigene Welt erfinden können. Noch mehr Kunstexponate findet ihr hier 👉 Kunstexponate

Exponat Secret Live

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