Ein Cover, das Geschichte schrieb.
Die Schlagzeile von 1986 war düster und dramatisch zugleich: Sie entwarf ein Szenario für das Jahr 2040, in dem New York, Hamburg, London und Kairo im Meer versunken sein würden. Nicht alle Prognosen von damals haben sich so bewahrheitet, wie es die Redaktion befürchtete. Der Kölner Dom steht noch immer trocken.
Aber der Kern der Warnung war richtig: Der Mensch verändert das Klima, die Folgen sind längst spürbar. Die mittlere Meerestemperatur steigt, Gletscher und Polkappen schmelzen, Extremwetter nimmt zu. Aus einer Schlagzeile wurde eine der zentralen Fragen unserer Gegenwart.
Genau dieser historische Bruch – vom ersten großen Medienalarm zur heutigen Klimarealität – ist Teil unseres Zeitstrahls in der Ausstellung Planet A. Dort hängt der Original-Titel von 1986 zwischen weiteren Meilensteinen der Klimaforschung und -politik.

Reaktion & Wirkung.
Der SPIEGEL griff mit seiner Titelgeschichte ein Memorandum der Deutschen Physikalischen Gesellschaft auf, das vor den Folgen des Treibhauseffekts warnte und schmückte es publizistisch kräftig aus. Nachdem das Magazin die Öffentlichkeit damit aufgerüttelt hatte, reagierte die Politik schnell: Der Bundestag setzte 1987 eine Enquete-Kommission ein, und bereits 1990 verkündete die damalige Kohl-Regierung ihr wegweisendes Ziel, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent zu senken. Der Titel gilt damit als publizistische Initialzündung für eine politische Auseinandersetzung mit dem Klimawandel, die bis dahin vor allem in Fachkreisen geführt worden war.
Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren gemischt: Für die einen war das Cover ein notwendiger Weckruf, der ein abstraktes wissenschaftliches Thema erstmals einem breiten Publikum zugänglich machte. Für andere war es von Anfang an zu plakativ und angstgetrieben. Der versunkene Kölner Dom als Symbolbild hat bis heute Kritiker:innen auf den Plan gerufen, die dem Magazin Übertreibung vorwerfen. Tatsächlich sind einige der damaligen Detailprognosen nicht eingetroffen: Der Meeresspiegel ist seit 1986 im Schnitt um gut drei Millimeter pro Jahr angestiegen, insgesamt also rund zehn Zentimeter – deutlich weniger, als die dramatische Bildsprache des Covers suggerierte. Klimaforscher wie der Meteorologe Hartmut Graßl ordnen den Titel deshalb bis heute zweigeteilt ein: als wichtigen Weckruf, der aber in seiner Bildsprache auch stark übertrieben war.
Diese Ambivalenz macht den SPIEGEL-Titel bis heute zu einem interessanten Lehrstück – nicht nur über den Klimawandel selbst, sondern auch darüber, wie Wissenschaft, Medien und Politik zusammenwirken, wenn ein komplexes Thema plötzlich massentauglich wird. Wie berechtigt die Sorge im Kern war, zeigt sich daran, dass aus der Randnotiz von 1986 heute ein globales politisches Leitthema geworden ist, das internationale Klimaabkommen, nationale Gesetzgebung und unseren Alltag gleichermaßen prägt.

Planet A: Klimawissen zum Anfassen.
Was der SPIEGEL 1986 in großen Lettern ausrief, lässt sich im phaeno mit den eigenen Händen begreifen. Aus abstrakten Fachbegriffen wie Treibhauseffekt, CO₂-Konzentration oder Kipppunkt werden in der Ausstellung PLANET A interaktive Exponate zum Ausprobieren, Messen und Erforschen. Statt nur zu lesen, wie viel CO₂ die Erde erwärmt, können Besucher:innen selbst messen, wie stark das Treibhausgas Wärmestrahlung absorbiert und live erleben, wie aus der Theorie einer Schlagzeile greifbare wissenschaftliche Praxis wird.
Genau diesen Schritt von der Warnung zur Erkenntnis bilden folgenden Stationen ab:
- 10-Minuten-Museum – ein kompakter Einstieg, der die wichtigsten Fakten zur Klimakrise auf den Punkt bringt.
- Zeitstrahl – mit dem historischen SPIEGEL-Titel von 1986. Wie hat sich das Wissen über den Klimawandel seither entwickelt?
- Exponat „Treibhauseffekt" – der physikalische Mechanismus hinter der Erderwärmung, anschaulich erklärt.
- Exponat „CO₂-Budget" – wie viel Kohlenstoffdioxid darf die Menschheit noch ausstoßen, um die Erwärmung zu begrenzen? Und was bedeutet das für den Alltag?

BNE: Vom Randthema zum Unterrichtsprinzip.
Auch im Bildungsbereich hat sich seit 1986 viel getan – Klima- und Nachhaltigkeitsbildung haben inzwischen einen festen Platz an deutschen Schulen. Den Begriff „Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) prägte die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro, deren Abschlussdokument der Bildung die Aufgabe zuwies, Menschen zu befähigen, unsere globalisierte Welt aktiv und eigenverantwortlich mitzugestalten. Einen entscheidenden Schub bekam das Thema durch die von den Vereinten Nationen für die Jahre 2005 bis 2014 ausgerufene Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung".
In Deutschland folgte daraus eine systematische Verankerung im Schulsystem: Auf Grundlage der Empfehlung der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule" von Juni 2007 wurde BNE in den allgemeinbildenden Schulen systematisch etabliert – durch die Fortschreibung von Richtlinien und Lehrplänen ebenso wie durch Schulentwicklung und die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Seither wurde die Empfehlung mehrfach weiterentwickelt: 2017 verabschiedete die Nationale Plattform BNE den Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (2015–2019). Zuletzt hat die Kultusministerkonferenz 2024 eine überarbeitete Empfehlung verabschiedet, die BNE an den Zielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen ausrichtet und die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele in den Bildungsalltag integriert.
Aus dem Schockmoment von 1986 ist damit über die Jahrzehnte ein fest etabliertes Bildungsprinzip geworden, das heute fächerübergreifend in Lehrplänen, Schulprofilen und der Lehrkräftebildung verankert ist. Genau an dieser Stelle setzen die phaeno Schulangebote an: Sie übersetzen den BNE-Gedanken in konkrete, handlungsorientierte Formate – vom Planspiel bis zum Klimalabor – und holen dort ab, wo die Klimadebatte 1986 begonnen hat: bei der Frage, was der Einzelne, aber auch die Gesellschaft als Ganzes, konkret tun kann.

Angebote für Schulen.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Science Center ein umfangreiches Bildungsprogramm:
- Planspiel Mission W. (auch für Erwachsene als Teamevent geeignet, 1.9. bis 2.10.2026: Teilnehmende schlüpfen in unterschiedliche Rollen und verhandeln über Klimapolitik und Energiewende.
- Da steckt Energie drin. Dinge in Bewegung bringen (Jahrgang 1, ab Januar 2027): erste Begegnungen mit dem Thema Energie für die Kleinsten.
- Energie aus Wind und Sonne (Jahrgang 3–6, bis Januar 2027): erneuerbare Energien praktisch erforschen.
- Verwandlungskünstler Energie (Jahrgang 7–8, bis Januar 2027): Energieumwandlung verstehen und selbst ausprobieren.
- Klimalabor „Erderwärmung auf der Spur" (Jahrgang 7–10, bis Januar 2027): Forschendes Lernen rund um Ursachen und Folgen der Erderwärmung.
- Klimalabor (Forschen mit CO₂): Experimente rund um das Treibhausgas, das seit 1986 zum Symbol der Klimakrise geworden ist.
Für pädagogisches Fachpersonal gibt es zudem die 2-tägige Fortbildung digiMINT, die digitale und naturwissenschaftliche Bildung miteinander verknüpft.

Auch im Forum (aktuell KUNSTSTOFFFORUM) widmen sich kleine und große Besucher-innen dem Thema. Hier findet man das Kunst-Exponat „Die letzte Kohle", und die Versteigerung, die auf unterhaltsame und zugleich nachdenkliche Weise den Abschied von fossilen Energieträgern verhandelt.
Wer die Ausstellung ergänzend erleben möchte, kann an Entdeckertouren zum Thema Klima teilnehmen und die Inhalte von PLANET A vertiefen.

Presseeinladung.
Anlässlich des 40. Jahrestags des SPIEGEL-Titels läd phaeno Medienvertreter:innen ein, sich vor Ort selbst ein Bild von Planet A zu machen – vom historischen Zeitstrahl über die interaktiven Exponate bis zu den Bildungsangeboten für Schulen und Erwachsene. (Pressemeldung)
Für Rückfragen oder Terminvereinbarungen wende dich bitte an Andrea Behrens 👉 kommunikation@phaeno.de

Zum SPIEGEL-Titel 1986 und seinen Folgen:
Klimareporter: „Als der Kölner Dom unter Wasser stand" –https://klimareporter.de/gesellschaft/als-der-koelner-dom-unter-wasser-stand (Einordnung durch Meteorologe Hartmut Graßl, Enquete-Kommission 1987, CO₂-Ziel 1990, Meeresspiegel-Fakten)
KIT-Bibliothekskatalog: Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre" – https://katalog.bibliothek.kit.edu/bib/62094 (offizielles Dokument der Bundestags-Kommission)
Klimafakten.de: Der Kölner Dom und der große Bogen von Paris: Wie sich das "Medien-Klima" gewandelt hat | klimafakten.de
Zur Entwicklung der BNE:
Kultusministerkonferenz (KMK): Themenseite „Bildung für nachhaltige Entwicklung" – https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitere-unterrichtsinhalte-und-themen/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung.html (Historie 2007/2015/2024, Orientierungsrahmen)
KMK-Pressemitteilung: „Kultusministerkonferenz veröffentlicht neue Empfehlung zur BNE in der Schule" – https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/kultusministerkonferenz-veroeffentlicht-neue-empfehlung-zur-bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-in-der-schule.html (Beschluss vom 13.06.2024)
Portal Globales Lernen: „Empfehlung der KMK zur BNE in der Schule" – https://www.globaleslernen.de/de/beschluesse/empfehlung-der-kultusministerkonferenz-zur-bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-der-schule (Details zu Agenda 2030 / SDG-Integration)
KMK-Pressearchiv 2007: „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule" – https://www.kmk.org/presse/pressearchiv/mitteilung/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-in-der-schule.html (Bezug zur UN-Weltdekade 2005–2014)




