20 Jahre phaeno – Im Gespräch mit einem Kurator der ersten Stunde.
Seit der Eröffnung 2005 ist er dabei: Als Kurator hat Davy Champion das phaeno mitgeprägt, Exponate inszeniert und immer wieder Brücken gebaut – zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen Theorie und Erlebnis, zwischen Staunen und Verstehen.
2025 stand das phaeno vor einer besonderen Herausforderung: Der große Umbau brachte 50 neue und rund 200 überarbeitete Exponate ins Haus. Mittendrin: unser Kuratorenteam, das dafür sorgte, dass sich das Science Center trotz aller Veränderungen weiterhin wie ein zusammenhängendes Erlebnis anfühlt.
Im Interview spricht Davy Champion über seine Rolle als „Übersetzer zwischen Wissenschaft und Erlebnis", über emotionale Entscheidungen beim Umbau, über den neuen Ames-Raum und darüber, warum der Freundeskreis für das phaeno so wichtig ist. Und er verrät, worauf er sich bei der kommenden Ausstellung phaenoBricks besonders freut.
Ein Gespräch über 20 Jahre Neugierde, Präzision und die Kunst, die Welt immer wieder ein bisschen anders zu sehen.

Kurator Davy Champion im Interview.
Du bist seit der ersten Stunde Teil des phaeno – seit 20 Jahren als Kurator dabei. Wie erklärst du deine Rolle im phaeno jemandem, der dich noch nicht kennt?
Als Kurator bin ich so etwas wie ein Übersetzer zwischen Wissenschaft und Erlebnis. Meine Aufgabe ist es, Inhalte so zu gestalten, dass sie verständlich, überraschend und vor allem erfahrbar werden. Es geht nicht darum, Wissen zu vermitteln wie in einem Schulbuch, sondern Neugier zu wecken – bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen.
Früher lag mein Arbeitsschwerpunkt mehr im Bereich Programme, Shows und Inszenierungen. Es ging im weitesten Sinn darum, die naturwissenschaftlichen Inhalte so „in Szene" zu setzen, dass sie für ein breites Publikum spannend und attraktiv sind – auch um eine emotionale Ansprache der Gäste zu erreichen.
Dabei war ich immer wieder ein Brückenbauer zwischen verschiedenen Disziplinen. Bei Mission W. haben wir im Rahmen einer Kooperation mit dem Scharoun Theater mit einer Theaterregisseurin und einer Medienkünstlerin zusammengearbeitet. Dieser Ansatz, nicht in strikt getrennten Sparten zu denken – „da ist die Wissenschaft, da ist Kunst, da ist Technik" – ist mir schon immer wichtig gewesen. Das hat mich schon am Exploratorium in San Francisco so fasziniert: diese Offenheit, Grenzen zu überschreiten und Verbindungen zu schaffen.

20 Jahre phaeno – Rückblick & Umbau 2025.
Der Umbau 2025 war ein großes Projekt, an dem du intensiv beteiligt warst. Für welche Bereiche warst du konkret zuständig?
Ich war vor allem für die konzeptionelle Weiterentwicklung mehrerer Exponate und Ausstellungsbereiche verantwortlich. Dazu gehörte die Überarbeitung von alten Exponaten, aber auch die Integration neuer Exponate – wie z. B. das Exponat Grenzlinien, eine große Bodenprojektion im Mathebereich, den großen Flipper oder den Schrägen Raum – in die bestehende Architektur. Besonders intensiv habe ich mich mit den Bereichen Mathemagie und Sichtweise beschäftigt.
Dazu kam der Aufbau vom großen Flipper, die Restaurierung der Kunstinstallation „Secret Life" und die Gestaltung der Architektur für die Digitalstation - das waren die ersten Projekte, die wir teilweise bereits Ende 2024 gestartet hatten.
Besonders wichtig war mir dabei, dass sich phaeno trotz aller Veränderungen weiterhin wie ein zusammenhängendes Erlebnis anfühlt – nicht wie eine Ansammlung einzelner Stationen, sondern wie ein Ort, an dem alles miteinander verwoben ist.

Was waren dabei die größten Herausforderungen – fachlich, organisatorisch oder auch emotional?
Die größte Herausforderung war tatsächlich der Spagat zwischen Bewahren und Erneuern. Viele Exponate haben eine lange Geschichte und sind bei Besucher:innen sehr beliebt. Gleichzeitig wollten wir mutig sein und das Haus sichtbar weiterentwickeln.
Organisatorisch war vor allem die Zeit eine Herausforderung: 50 neue Exponate, 200 Überarbeitungen, neue Böden, Malerarbeiten bei einer Fläche von 9.000qm. Wir haben das alles parallel zum laufenden Betrieb umgesetzt. Das war zeitlich extrem knapp und hat viel Koordination erfordert.
Fachlich war für mich die Zusammenstellung und Planung von interaktiven Exponaten ein relativ neues Feld. Sich innerhalb kurzer Zeit in so unterschiedliche Themen einzuarbeiten, zu entscheiden: Mit wem machen wir was? Welche Firma, welcher Künstler baut welche Exponate – und in welcher Form, mit welcher Interaktion? Wie viel soll neu sein, und was bedeutet dann eigentlich „neu"?
Das waren alles kuratorische Entscheidungen: Welche neuen Themen und Schwerpunkte wollen wir setzen? Welche Themen behandeln wir mit welchen Mitteln in der Ausstellung? Das hat zum Teil zu sehr emotionalen Diskussionen unter uns Kuratoren und mit der Geschäftsführung geführt – aber am Ende sind wir gemeinsam zu sehr guten Lösungen gekommen.

Ein Blick nach vorn ...
Welche neuen Exponate oder Bereiche tragen besonders deine Handschrift?
Besonders stolz bin ich auf Exponate, die stärker auf Körpererfahrung setzen – also dort, wo man Phänomene nicht nur sieht, sondern unmittelbar spürt, wie beim Schrägen Raum oder dem Ames-Raum. Das ist etwas, das das phaeno schon immer ausgezeichnet hat, und das wir jetzt noch stärker betonen.
Allerdings muss ich ehrlich sagen: Es ist eher durch die offene Zusammenarbeit mit Externen, die neue Ideen und Impulse reingebracht haben, dass die Sachen eine besondere und Handschrift erhalten haben. Für die Räume war zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Architektin Marina Rütten sehr wichtig. Sie hat uns bereits bei der Planung und Gestaltung vom Kinderbereich unterstützt. Das Farbkonzept und die Gestaltung sind auch mit dem Gesamtdesign von Archimedes abgestimmt – eine Berliner Firma, die uns für das Gesamtprojekt begleitet hat.
Mir war es außerdem wichtig, an bestimmten Stellen neuartige Installationen zu zeigen. Ein Beispiel ist die Videoinstallation „Planktonium", die das Thema Biodiversität behandelt. Sie steht für den Ansatz „Do it yourself" und befindet sich an einem spannenden Standort im Gebäude. Solche Akzente machen für mich den Unterschied.

phaeno Freundeskreis.
Unterstützung gab es bei den neuen Exponaten vom Freundeskreis - dieser hat den neuen Ames-Raum finanziell unterstützt. Warum sind solche Förderungen für das phaeno so wichtig?
Ohne diese Unterstützung wären viele besondere Projekte nicht realisierbar. Der Freundeskreis hat uns damit ein weiteres ikonisches Exponat ermöglicht – eines, das ohne diese finanzielle Hilfe vielleicht nicht entstanden wäre.
Wir sind auf die Unterstützung von Freunden angewiesen, und das wird in Zukunft noch wichtiger. Unser finanzieller Spielraum wird enger, deshalb brauchen wir Partner – sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, die Mitglied werden. Diese Unterstützung gibt uns die Freiheit, auch mal mutige, ungewöhnliche Ideen umzusetzen.
Welche Vorteile haben Mitglieder im Freundeskreis ganz konkret?
Freundeskreis-Mitglieder sind näher dran: Sie werden frühzeitig über neue Ausstellungen informiert, zu exklusiven Veranstaltungen eingeladen und erleben das phaeno auch hinter den Kulissen. Es entsteht ein echtes Gemeinschaftsgefühl – man ist nicht nur Besucher:in, sondern Teil des Hauses.
Die Atmosphäre bei den Freundeskreis-Veranstaltungen ist sehr locker, und man bekommt einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des phaenos wie z.B. bei der Sonderausstellung phaenoBricks. Bei der Preview-Veranstaltung am 26.02.2026 bekommen Freundeskreis-Mitglieder schon vor der Eröffnung einen Einblick in die Ausstellung und können die Mitglieder der Fangruppen kennenlernen. Das schätzen viele sehr.
Ich selbst bin im Vorstand des Freundeskreises und fungiere als Bindeglied zwischen phaeno und Vorstand. Ich gebe auch inhaltliche Impulse für die Aktivitäten des Freundeskreises – das ist mir eine Herzensangelegenheit.

Ames Raum - ein neues Exponat entsteht.
Ausblick auf 2026.
2026 steht bereits die nächste Sonderausstellung an: phaeno Bricks. Worauf freust du dich persönlich am meisten?
Auf die Kreativität! phaenoBricks zeigt, wie aus einfachen Bausteinen komplexe Ideen entstehen. Mich begeistert besonders, dass hier Technik, Fantasie und Gemeinschaft zusammenkommen – und dass Menschen jeden Alters ins Bauen, Staunen und Ausprobieren kommen.
Besonders gespannt bin ich auf die große zentrale Installation: die GBC – Great Ball Contraption. Das ist ein riesiges System mit circa 300 unterschiedlichen Modulen, bei dem kleine Kugeln von einem Mechanismus zum nächsten weitergefördert werden. Sachen in Bewegung, mit viel Technik – das wird spektakulär!
Es wird auch eine große Schnee- und Winterlandschaft geben, auf die ich sehr gespannt bin. Und dann natürlich auf diese besondere Gemeinschaft, diese Szene, die jedes Mal eine ganz besondere Atmosphäre im phaeno erzeugt und für die Gäste sehr inspirierend ist.
Wichtig zu erwähnen: Die Ausstellung findet an drei Tagen statt – vom 27. Februar bis 1. März 2026. Also: Nicht verpassen!

Ein Blick nach vorn ...
Wenn du jemandem nur einen einzigen Grund nennen müsstest, 2026 ins phaeno zu kommen – welcher wäre das?
Weil das phaeno ein Ort ist, an dem man die Welt jedes Mal ein bisschen anders sieht, wenn man hinausgeht. Und weil es auch nach 20 Jahren immer wieder überrascht.
Ein Besuch im phaeno ist jeden Tag spannend. Besonders nachdem wir so viel überarbeitet haben, kann man einfach mal vorbeischauen und staunen, wie viel sich in der Ausstellung geändert hat – auch atmosphärisch. Es fühlt sich stellenweise wie ein neues Haus an.
Vielen Dank Davy - für deine offenen Antworten, danke für den Einblick hinter die Kulissen, deine Energie und dein Herzblut, das du in die neue Ausstellung gesteckt hast und danke für die tollen überarbeitetn und neuen Exponate - vom gesamten phaeno-Team.











